Eine unbezahlte Steuerschuld der BV kann unter bestimmten Voraussetzungen zur persönlichen Haftungsinanspruchnahme eines Geschäftsführers führen. Prüfen Sie dann Ihre Rolle im richtigen Zeitraum, die Wirksamkeit der Meldung der Zahlungsunfähigkeit und den konkreten Vorwurf. Ein Geschäftsführeramt, eine Gesellschafterstellung und tatsächlicher Einfluss auf die Unternehmenspolitik sind unterschiedliche Anknüpfungspunkte. Ein Steueranwalt kann Rechtsgrundlage, Beweisposition und Umfang beurteilen. Warten Sie nach Erhalt eines Bescheids nicht, bis das Unternehmen sein eigenes Steuerverfahren abgeschlossen hat: Ihr persönlicher Rechtsschutz erfordert gesonderte Aufmerksamkeit.
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1. Prüfen Sie, warum gerade Sie in Anspruch genommen werden
Die steuerliche Geschäftsführerhaftung betrifft unter anderem Geschäftsführer voll rechtsfähiger juristischer Personen, die der Körperschaftsteuer unterliegen. Der Belastingdienst nennt vor allem NVs und BVs, aber auch bestimmte Vereine und Stiftungen. Auch ein mittelbarer Geschäftsführer über eine andere juristische Person kann betroffen sein. Die bloße Aussage, die operative Gesellschaft sei durch eine Holding geführt worden, schließt eine persönliche Beteiligung somit nicht hinreichend aus.
Sammeln Sie Registerauszüge, Bestellungsbeschlüsse, Ausscheidensunterlagen und eine Übersicht der Geschäftsführungsstruktur in den betroffenen Zeiträumen. Notieren Sie außerdem, wer Zahlungen genehmigte, Steueranmeldungen einreichen ließ und Finanzinformationen erhielt. Ein Berater muss formelle Stellung und tatsächliche Abläufe gegenüberstellen können. Lassen Sie auch prüfen, ob der Ontvanger Artikel 36 der Invorderingswet oder eine andere Haftungsgrundlage verwendet; die Voraussetzungen sind nicht austauschbar.
2. Gliedern Sie die Akte nach Steuer und Zeitraum
Ein Bescheid kann verschiedene Nacherhebungsbescheide, Steuerarten und Jahre umfassen. Führen Sie jeden Bestandteil in einer eigenen Zeile auf und verknüpfen Sie ihn mit Anmeldung, Zahlung, Meldung und Geschäftsführungszeitraum. Die Beurteilung eines Zeitraums muss für die anderen nicht gleich ausfallen. Auch die Frage, wann jemand als ehemaliger Geschäftsführer zu behandeln ist, kann eine gesonderte Prüfung je Schuld erfordern.
Verlangen Sie eine Aufschlüsselung, wenn Steuer, Zinsen, Geldbußen und Kosten zu einem Gesamtbetrag zusammengefasst sind. Bei diesen zusätzlichen Beträgen stellen sich ergänzende Fragen der Zurechnung; das bloße Bestehen einer Steuerschuld beantwortet sie nicht vollständig. Der Anwalt kann dadurch gezielt untersuchen, welche Beträge außerhalb der Haftung liegen oder unzureichend begründet sind. Eine eigene Berechnungsübersicht hilft auch, spätere Minderungen und Zahlungen richtig zu berücksichtigen.
3. Eine rechtswirksame Meldung verändert die Beweisposition
Bei einer ordnungsgemäßen Meldung der Zahlungsunfähigkeit muss für eine Haftung nach dieser Regelung untersucht werden, ob die Nichtzahlung auf einer dem Geschäftsführer vorwerfbaren offensichtlich pflichtwidrigen Geschäftsführung beruht. Dabei muss der Ontvanger die relevanten Tatsachen glaubhaft machen. Die Prüfung geht über die Feststellung hinaus, dass ein Unternehmen Verluste machte oder eine Entscheidung sich rückblickend als falsch erwies. Das Handeln wird anhand der konkreten Umstände beurteilt.
Lassen Sie den Anwalt genau darlegen, welche Handlungen vorgeworfen werden und welchen Zeitraum der Vorwurf betrifft. Das Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden untersuchte 2024 für jede Schuld, wie sich die vorgeworfene Geschäftsführung zum maßgeblichen Meldezeitraum verhielt. Diese Entscheidung zeigt, warum ein pauschaler Vorwurf und eine Sammlung von Bescheidnummern keinen ausreichenden Überblick bieten. Bewahren Sie deshalb einzelne Meldungen und Beurteilungen gesondert auf, auch wenn mehrere Schulden aus derselben Finanzkrise stammen.
4. Ohne ordnungsgemäße Meldung ist gezielter Gegenbeweis nötig
Wurde nicht oder nicht rechtswirksam gemeldet, gilt eine gesetzliche Vermutung, dass die Nichtzahlung dem Geschäftsführer zuzurechnen ist. Um diese widerlegen zu dürfen, stellt sich zunächst die Frage, ob ihm das Meldeversäumnis vorgeworfen werden kann. Dies ist eine schwierige Beweisposition. Richten Sie Ihre Vorbereitung deshalb auch auf die Ursache der fehlenden Meldung, statt ausschließlich auf die Ursache der Unternehmensverluste.
Der Hoge Raad behandelte diese Regelung in seinem Urteil vom 11. Juli 2025 nach einer europäischen Vorabentscheidung. Alle Umstände dürfen vorgebracht werden, um die fehlende Vorwerfbarkeit des Meldeversäumnisses zu begründen. Daraus folgt weder eine allgemeine Ausnahme für einen gutwilligen Geschäftsführer noch eine freie Minderung wegen schwerer Folgen. Legen Sie beispielsweise den genauen Beratungsauftrag und die Korrespondenz über die Meldung vor; lassen Sie deren Bedeutung rechtlich gewichten.
5. Belegen Sie Entscheidungen mit den damaligen Informationen
Legen Sie für jede vorgeworfene Entscheidung dar, welches Problem gelöst werden sollte, welche Angaben verfügbar waren und welche Alternativen besprochen wurden. Denken Sie an Bankkredite, den Verlust eines Großkunden, Zahlungen an verbundene Parteien oder die Verrechnung einer Schuld gegenüber dem Geschäftsführer. In der Entscheidung von 2024 spielte die Begünstigung des Geschäftsführers durch eine Verrechnung eine konkrete Rolle. Dieses Urteil lässt sich nicht ohne Untersuchung auf andere Unternehmen übertragen.
Fügen Sie die damals erstellten Liquiditätsprognosen, Protokolle und Beratungen bei und nennen Sie, wer welche Entscheidung traf. Machen Sie deutlich, ob eine Prognose später angepasst wurde. Einer nachträglichen, am Ergebnis orientierten Erklärung fehlen oft die Informationen, anhand deren die Angemessenheit einer Geschäftsführungsentscheidung untersucht werden kann. Verschweigen Sie Ihrem Anwalt ungünstige Unterlagen nicht: Gerade sie können bestimmen, welche Verteidigung tragfähig ist und wo zusätzliche Sachverhaltsaufklärung erforderlich ist.
6. Prüfen Sie Aufgabenverteilung und eigene Interessen sorgfältig
Der Belastingdienst betont die gemeinsame Verantwortung der Geschäftsführer. Eine interne Aufgabenverteilung, bei der ein Mitgeschäftsführer die Finanzen verwaltete, beseitigt Ihre Position deshalb nicht automatisch. Konkrete Umstände, Informationsversorgung und ergriffene Maßnahmen können jedoch für die persönliche Verteidigung wichtig sein. Halten Sie fest, welche Fragen Sie stellten, welche Signale Sie erhielten und welche Maßnahmen Sie danach ergriffen. Allgemeine Hinweise auf Vertrauen bieten dafür wenig Anhaltspunkte.
Bei Geschäftsführerwechseln oder Anteilsverkäufen ist eine klare Übergabe für die Akte wichtig. Sammeln Sie die bei Ihrem Ausscheiden verfügbare Buchhaltung und die Absprachen über offene Steuerpflichten. Nutzen Sie den Anwalt der Gesellschaft oder eines Mitgeschäftsführers nicht selbstverständlich als Ihren persönlichen Vertreter. Ein Streit über die Ursache eines Versäumnisses oder gegenseitigen Rückgriff kann zu unterschiedlichen Interessen führen, die gesondert beurteilt werden müssen.
7. Besprechen Sie Verteidigung und praktische Folgen
Haben Sie einen Bescheid erhalten, legen Sie ihn samt Umschlag, Empfangsdaten und Anlagen sofort vor. Eine Ankündigung oder ein Informationsersuchen hat eine andere Funktion als die endgültige Haftungsinanspruchnahme. Fragen Sie, welches Dokument jetzt eine Reaktion verlangt, welche Frist läuft und wer für Sie auftritt. Richten Sie einen etwaigen Einspruch gegen die persönliche Haftungsinanspruchnahme und die relevanten Schuldteile und verlangen Sie die notwendigen Unterlagen.
Besprechen Sie außerdem den Stand der Einziehung und einen möglichen Bedarf an Zahlungsaufschub oder Sicherheitsleistung. Eine inhaltliche Verteidigung ist nicht dasselbe wie eine Zahlungsabsprache. Bringen Sie eine Übersicht Ihrer finanziellen Lage und eine etwaige Versicherungspolice mit, ohne Deckung oder Erstattung vorauszusetzen. Eine gezielte Erstberatung kann Prioritäten festlegen: Frist überwachen, Akte anfordern, Beweise zur Meldung sichern und anschließend die einzelnen Vorwürfe und Beträge ausarbeiten.
Häufige Fragen
Hafte ich, weil ich auch Gesellschafter bin?
Die Gesellschafterstellung allein beantwortet die Frage nach steuerlicher Geschäftsführerhaftung nicht. Ihre Geschäftsführerrolle, die verwendete Rechtsgrundlage und die konkreten Umstände müssen gesondert geprüft werden.
Hilft es, dass mein Steuerberater die Meldung übernehmen sollte?
Das kann eine relevante Information sein, bietet aber keine automatische Freistellung. Sammeln Sie Auftrag, Beratung, Kontrolle der Ausführung und Nachrichten zur Meldung, damit Ihre eigene Position beurteilt werden kann.
Reicht eine rechtzeitige Meldung, um den Fall zu gewinnen?
Nein. Auch bei ordnungsgemäßer Meldung kann unter den anwendbaren Voraussetzungen eine Haftung wegen nachgewiesener offensichtlich pflichtwidriger Geschäftsführung folgen. Die einzelnen Handlungen, Zeiträume und Beträge bleiben relevant.
Quellen
Diese Quellen gehören zur Seite. Prüfen Sie im konkreten Fall die aktuellen Regeln und Ihre Unterlagen.
- Belastingdienst: bestuurdersaansprakelijkheid Abgerufen: 2026-10-23
- Belastingdienst: melding van betalingsonmacht Abgerufen: 2026-10-23
- Hoge Raad 11 juli 2025, ECLI:NL:HR:2025:1128 Abgerufen: 2026-10-23
- Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden 27 februari 2024, ECLI:NL:GHARL:2024:1513 Abgerufen: 2026-10-23
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